Interessant war sie. Und mit Spannung erwartet. Die große Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Sportdirektors und Vorstandsmitglieds Matthias Sammer.
Was mir als erstes auffiel, war die Miene von Uli Hoeneß. Da saß er wieder in seiner gewohnten Pose, als hätte er eben gerade das Rad neu erfunden und wäre damit zum Feuer gefahren, welches er eigenhändig vom letzten Blitzschlag durch die Eiszeit direkt in seine Höhle getragen hat. Kein Lächeln. Und immer wenn es eine Aussage gab, hinter der er gern ein Ausrufezeichen gesetzt hätte, machte er diese berühmte Trotzlippe und hatte so ein “da guckste, wa?” in den Augen.
Da saßen sie so nun also. Karl-Heinz Rummenigge, der so braungebrannt war, dass er fast ins Beuteschema von Boris Becker fällt, Karl Hopfner, der sich offenbar in den letzten Tagen mehrfach auf die Lippe gebissen haben muss und Matthias Sammer, der sogar zu gelegentlichen Scherzen aufgelegt war – von wegen Motzki.
Die eindeutigste Ansage richtete sich an die Nationalspieler, die ihre Teilnahme an der Europameisterschaft 2012 nicht als Alibi für einen schwachen Saisonstart benutzen können. Drei Wochen würden vollkommen reichen um zu regenerieren. Sammer: "Ich kann mich nicht daran erinnern, während meiner Zeit als Spieler einmal drei Wochen Urlaub am Stück gehabt zu haben.". Hatte er sicherlich, denn zu der Zeit gab es vor allen Dingen auch weniger Spiele. Aber für die Spieler ist es ein klares Signal sich nicht hängen zu lassen.
Frage eines Journalisten: "Können Sie Hoffnung machen, dass noch ein großer Transfer kommen wird?" Matthias Sammer: "Ich!? Ich dachte, ICH war der Transfer!?".
Bei den vielen ernsthaften Statements und überzogenen Gesten auf der Pressekonferenz war die lockere, aber zielstrebige Art des "Motzkis" wirklich sehr erfrischend.
"Selbstmitleid, sich bedauern lassen - das passt nicht zum FCB. Alle persönlichen Eitelkeiten dürfen keine Rolle spielen."
Matthias Sammer
In Aussicht gestellt wurde auch weiterhin der Transfer von Javi Martinez, mit dem man sich offenbar in der nächsten Zeit näher beschäftigen will. Ausgang offen. Offenbar will man abwägen, ob der Spieler wirklich eine so hohe Ablösesumme, im Raum stehen bis zu 40 Millionen Euro, wert ist und ob es vernünftig sei, ihn für einen solchen Preis zu kaufen.
Bis zur Winterpause keine Trainer-Debatte!
Uli Hoeneß entschuldigte sich quasi für die Aussage am Ende der Saison, man wolle für 2013 einen neuen Trainer verpflichten. Jupp Heynckes, so hieß es auf der Pressekonferenz, solle nun erst einmal in Ruhe und möglichst erfolgreich arbeiten. Ab der Winterpause werde man dann sehen, wie man weitermacht. Klar, eine vollständige Saison mit Trainerdiskussion kann der Verein nicht gebrauchen, da hatte sich Hoeneß selbst ein Tor geschossen. Auch das kommt gelegentlich mal vor.
Wirklich gestoppt werden kann die Diskussion aber nur durch Siege. Völlig egal was man jetzt erzählt, die T-Frage stellen sich Fans und Medien sofort, wenn es nicht vernünftig läuft.
Rund um den FC Bayern München ist eine Aufbruchstimmung zu spüren, die auch bei mir die Spannung auf die neue Saison höher schießen lässt. Es ist was in Bewegung. In welche Richtung es sich bewegt, das werden wir dann sehen – aber eben deswegen ist es ja so spannend.
Foto: Screenshot Liveübertragung/Internetstream
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